Der Rabenhorst

Geschichte aufgezeichnet von Herr Wolfgang Juncker

Eine Waldgaststätte verspricht in ihrem Ambiente Beschaulichkeit, Geborgenheit und Gemütsruhe, mitunter auch Heimlichkeit. Ein solcher Hort der Gemütlichkeit war der von den Einheimischen, vom einfachen Mann wie von Honoratioren, gepriesene Rabenhorst. Da fand man sich zusammen. Da feierten Schüler des Schuljahrs ab- Schluss, da richteten Skatbrüder ihren Stammtisch ein, da gelüstete es „Anstalt"-Ärzten wie Genesenden nach einem Umtrunk.

Versteckt ist der Rabenhorst im breiten Waldgürtel des hinteren Rossbergs zwischen Homburg und Kirrberg, auf Homburger Bann, einem Grenzstein zufolge nur etwa einen Kilometer von der ehemaligen Reichsgrenze entfernt. Die Geschichte dieses Homburger Identität stiftenden Gasthofs - sie ist in keinem mir bekannten Buch über unsere Stadt oder die Pfalz beschrieben, allenfalls wird der Rabenhorst als Orientierungspunkt für ein nahe gelegenes keltisches Hügel- grab beiläufig erwähnt. Nicht einmal alteingesessene Homburger Fotounternehmen haben das Lokal auf Postkarten verewigt. Dafür hat aber der hochangesehene, aus Homburg stammende Künstler Max Mertz (1912-1981) den Rabenhorst in ursprünglicher Gestalt in einem Aquarell, einem gediegenen Frühwerk, festgehalten, ehe er in „ungegenständlicher" Kunst brillierte.

Schon die Gründung der Schankwirtschaft, ermöglicht durch die Erschließung eines 75 m tiefen Brunnens, wirft Schatten. Dies beginnt bereits mit der Namensgebung, bei ihr vor allem. Nahezu jeder Einheimische, wähnt in der Bezeichnung eine gelungene, poetisch anmutende Anlehnung an die Brutstätte von Raben. Dass im Waldgelände um das Ausflugslokal nie Raben flatterten, wer weiß das schon. Gewiss, die im heutigen feudalen Vier-Sterne-Hotel aufgestellten gusseisernen Raben scheinen auf die Herkunft des Namens abzuheben. Doch dem geschichtsbewussten Hotelbesitzer ist die leichte Irreführung nur zu bewusst, ihm sind die Raben nur werbende Dekoration.
Für den Namen der außerhalb des Bebauungsplans errichteten Wirtschaft am Rossberg musste vielmehr der Direktor der Homburger Eisenwerk AG, der ursprünglichen Schraubenfabrik Roth & Schüler, herhalten. Er hieß nämlich Raabe, Paul mit Vornamen (geboren am 5. Mai 1883 in Saarbrücken). Raabe hatte sich im Eisenwerk Betriebsfrieden zu „erkaufen" versucht, indem er dem Wortführer der Belegschaft eine Gunst erwies. Das Protektionskind war der Montageschlosser Jakob Peter. Rot wie seine Haare war seine politische Einstellung. Daher hatten die Einheimischen dem Homburger Original den U-Namen Roter Peter zugelegt. Raabes finanzieller Unterstützung hatte Peter es zu verdanken, dass er sich den Bau einer Schankwirtschaft am hinteren Rossberg leisten konnte.

Am Sonntag, dem 10. August 1924, eröffnete Peter seine Ausflugswirtschaft. Im Ausschank empfahl er Milch, Kaffee und Selterswasser, aber nicht Bier, doch bot er Gebäck und kleine Speisen feil, verbunden mit der Zusicherung guter Qualität. Einen Namen gab er seiner beschaulichen, im weiten Umkreis von Kiefern umstandenen Waldschenke nicht. Doch der Volksmund half aus, nannte, wohl aus politischer Häme, die Wirtschaft „Raabe-Horst".

Ab November 1926 übernahm Emil Steiner die Führung der nach wie vor den Roten Peter gehörenden Wirtschaft am Rossberg unter Betonung, es sei für alles in allem bestens gesorgt. Im Mai 1927 kam es zur Zwangsversteigerung des Grundstücks. Den Zuschlag erhielt Friedrich Krauter (geboren am 8.Februat 1878 in Erbach). Um sich als Gastwirt zu verselbstständigen, löste Krauter, mitbedingt durch ein im Krieg zugezogenes Asthmaleiden, sein Arbeitsverhältnis als Schmied bei der Firma Schwinn auf.
Unter Krauters Regie sollte das Lokal aufblühen und zu einem beliebten Ausflugsziel der Homburger werden. Schon im April 1934 kauften die Eheleute Krauter von Christian und Martha Oberdörfer ein benachbartes Waldgrundstück hinzu. Inzwischen hatten die Einheimischen den Spottnamen „Raabe-Horst", wie sich von selbst verstehend, auf den ihnen einleuchtend klingenden Namen „Rabenhorst" umgetauft, und dabei sollte es für immer bleiben. Doch dem munteren Aufstieg folgte ein tragischer Absturz.

Am 20. März 1945 rückten die Amerikaner von Limbach kommend ohne nennenswerte Gegenwehr in Homburg ein. Dadurch kamen die in Baracken hausenden russischen Kriegsgefangenen frei und streunten, meist plündernd, durch Homburgs Wälder. Einige drangen um Mitternacht des 1. Juni 1945 in den abgelegenen Rabenhorst ein. Als ihnen Friedrich Krauter auf dem oberen Treppenende stehend zurief: ,,Vorsicht! Die Amis kommen!", fiel ein Schuss. Er traf Krauter, der hierdurch verstarb. Wegen der Abgeschiedenheit des Hauses konnte seine Frau Magdalena erst am frühen Morgen, als Kirrberger auf dem Waldweg zu ihrer Arbeitsstätte in Homburg vorbeikamen, die traurige Nachricht kundtun. Eine polizeiliche Untersuchung blieb ohne Ergebnis, angesichts der Zeitumstände nicht verwunderlich. Magdalena Krauter, die Erbin, starb ihrerseits bereits im Dezember desselben Jahres. Bei der Erbauseinandersetzung fiel der Rabenhorst dem Sohn Alfons Krauter (geboren am 20.Juni 1908 in Erbach) zu. Er wurde am 20. Januar 1949 als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen.
Trotz bescheidener wirtschaftlicher Möglichkeiten versuchte Alfons Krauter, ungeachtet seiner Kriegsverletzungen, gemeinsamen mit seiner Frau einen Schankbetrieb aufzuziehen. Zuvorderst ging er aber seinem angestammten Beruf als Lohnbuchhalter im Personalbüro der Stahlbaufirma Seibert bis zu deren Schließung nach. Am 1. Januar 1946 eröffnete er die Schankwirtschaft, zu deren Betrieb ihm am 8. August 1946 formell die Erlaubnis erteilt wurde. Nach einem Um- und Erweiterungsbau, Gastraum und Nebenzimmer im Erdgeschoss, drei Fremdenzimmer im Obergeschoss, kam es am Samstag, dem 5. April 1952, zur Wiedereröffnung des „Gasthauses zum Rabenhorst" durch Familie Krauter. Nach Alfons Krauters frühem Tod im Januar 1978 führte seine Frau Margarethe als Erbin die mehr und mehr an Renommee gewinnende Gaststätte in eigenem Namen weiter, unterstützt von ihrer Tochter Ingrid.

Der Rabenhorst war, in Homburg eine Rarität, ein brauereifreies Lokal, bis sich die Inhaberin am 12. Januar 1982 aus Altersgründen zur Verpachtung an die Karlsbergbrauerei KG Weber durchrang. Wirksam wurde das Machtverhältnis am 1. Mai 1982. Unterverpachtung war zugestanden. Im Vorgriff auf den Pachtvertrag schloss die Karlsberg Brauerei bereits am 1. Februar 1982 mit Reinhold Käufer einen Unterpachtvertrag, der aber erst mit dem eigentlichen Pachtvertrag bestimmend werden sollte. Unterpachtverträge schloss die Brauerei im Nachhinein am 14. Juni 1988, wirksam am 1. Januar 1989, mit Heinz und Annemarie Cullmann und am 9. Februar 1992, wirksam am 1. Januar 1993, mit Bernhard Pinl.
Am 7. April 1995 übereignete Margarethe Krauter (notarieller Vertrag vom 28. November 1994) den Rabenhorst an ihre Töchter Ingrid Krauter und Ursula Vayssier. Diese verkauften ihrerseits auf Grund notariellen Vertrags vom 21. Februar 1996 die Gaststätte an die Eheleute Bernhard und Petra Pinl (Grundbucheintrag: 6. März 1996).

Mit diesem Eigentümerwechsel ist die Ära Rabenhorst in ihrer Schlichtheit und Einfühlsamkeit zu Ende gegangen. Die Familie Pinl setzte einen neuen Meilenstein, der, vom Namen und der idyllischen Lage abgesehen, mit dem früheren Gasthof so gut wie nichts mehr gemein hat. Entstanden ist im Laufe der Zeit ein herrschaftliches, luxuriöses Landhaus, ein Vier-Sterne-Hotel mit kaum zu überbietendem Komfort. Die Speise- und Gesellschaftsräume können bis zu 200 Personen beherbergen, die drei getrennten Terrassen, fast nur Außenterrassen, bis zu 300 Personen. Als Vier-Sterne-Hotel ist die inzwischen ins Riesenhafte gewachsene Anlage für Festlichkeiten aller Art gerüstet und ausgestattet mit Barbetrieb, Schwimm- und Wellnessbad. Wenn auch das Luxushotel, das auf einer 4 m breiten Fahrstraße durch den Wald zugänglich ist, der ursprünglichen Gaststätte begreiflicherweise nicht mehr entspricht, so hat doch die Familie Pinl den ehemaligen Gastraum - gleichsam als Chronistenpflicht in einen fürstlichen Speisesalon verwandelt. Der Rabenhorst, Homburgs größte Hotelanlage, ist geradezu einem Magneten avanciert, nicht nur für die Einheimischen, sondern für Besucher aus allen deutschen Regionen, wie der Autopark unterstreicht.

Am 1. April 2020 hat es dann erneut einen neuen Eigentümerwechsel gegeben. Für die niederländische Familie Niemeijer geht ein Traum in Erfüllung. Ronald und Ellen kündigen ihre Jobs in den Niederlanden und steigen im April 2020 mit ihrer jüngsten Tochter Evelijn in die Fußstapfen der Familie Pinl, die das Wohlfühlhotel Rabenhorst in den letzten 27 Jahren mit viel Herzblut und Kompetenz zu diesem Unikat entwickelte. Ellen Niemeijer-Voss ist gebürtiger Pfälzerin (Landau in der Pfalz), und kehrt somit zurück in ihrer Heimat. Die Familie Niemeijer ist engagiert den Rabenhorst in einer neuen Ära zu führen. Stammgäste dürfen sicher sein, weiterhin auf hohem Niveau betreut zu werden. Gerne begrüßt das Wohlfühlhotel Rabenhorst auch weiterhin Geschäftsreisende, die diese entspannende Oase im Grünen schätzen. Allein durch seine Lage am Waldrand, aber auch mit immer wieder neuen Routen-Vorschlägen oder Ausflugs-Programmen bietet sich das Wohlfühlhotel Rabenhorst Ruhesuchenden, Auszeitlern, Reisenden auf der Durchreise, (Rad-) Wanderern, Motorradfahrern oder auch Oldtimer-Touristen als ideale Bleibe an. Erholung möchte das Wohlfühlhotel Rabenhorst allen seinen Gästen bieten.